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Immobilienbewertung

Bodenrichtwert beim Hausverkauf 2026: Bedeutung, Abfrage & Grenzen für die Preisfindung

22. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit

Wer sein Haus oder Grundstück verkaufen will, stößt früh auf einen Begriff: den Bodenrichtwert. Er gibt an, wie viel ein Quadratmeter unbebauter Boden in einer bestimmten Lage durchschnittlich wert ist – ermittelt von unabhängigen Gutachterausschüssen auf Basis echter Kaufverträge. Für Verkäufer ist er ein wichtiger Anhaltspunkt, um den Angebotspreis realistisch zu kalkulieren und Käuferargumente einordnen zu können.

Doch der Bodenrichtwert ist kein Verkaufspreis. Wer ihn falsch interpretiert, setzt den Preis zu hoch an und verliert Monate – oder verschenkt fünfstellige Beträge. Dieser Ratgeber erklärt, wie der Wert entsteht, wo Sie ihn 2026 kostenlos abrufen, wie er sich vom Verkehrswert unterscheidet und wann Sie besser einen Profi einbinden. Mit dem Bedarfs-Check finden Sie zudem heraus, welche Unterstützung Sie für Ihre Situation wirklich brauchen.

Was der Bodenrichtwert ist – und wer ihn festlegt

Der Bodenrichtwert ist der durchschnittliche Lagewert des Bodens für eine sogenannte Bodenrichtwertzone, angegeben in Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche. Rechtsgrundlage sind § 196 Baugesetzbuch (BauGB) sowie die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV). Ermittelt wird er nicht von Maklern oder Banken, sondern von den unabhängigen Gutachterausschüssen der Kommunen und Kreise.

Die Datenbasis sind reale, notariell beurkundete Kaufverträge: Notare sind verpflichtet, jede Grundstückstransaktion an den zuständigen Gutachterausschuss zu melden. Daraus entsteht die Kaufpreissammlung – die verlässlichste Datenquelle im deutschen Immobilienmarkt. Die Bodenrichtwerte werden mindestens alle zwei Jahre, in vielen Regionen jährlich, zum Stichtag (meist 1. Januar) neu beschlossen.

Wichtig: Der Wert bezieht sich immer auf ein fiktives, unbebautes Referenzgrundstück mit definierten Merkmalen – etwa Art der Nutzung (z. B. Wohnbaufläche), Geschossflächenzahl oder typische Grundstücksgröße. Weicht Ihr Grundstück davon ab, muss der Wert angepasst werden.

Bodenrichtwert 2026 abfragen: So kommen Sie kostenlos an die Daten

Die wichtigste Anlaufstelle ist das bundesweite Portal BORIS-D (bodenrichtwerte-boris.de), das die Bodenrichtwertkarten der meisten Bundesländer bündelt. Daneben betreiben die Länder eigene BORIS-Portale (z. B. BORIS-NRW, BORIS Bayern), in denen die Einsicht in die Karten in der Regel kostenlos möglich ist. Sie geben einfach die Adresse ein und sehen den Richtwert Ihrer Zone samt Stichtag und Referenzmerkmalen.

Für rechtssichere Zwecke – etwa Erbschaft- oder Schenkungsteuer, Gerichtsverfahren oder Beleihungen – reicht der Blick in die Karte oft nicht. Dann können Sie beim Gutachterausschuss eine schriftliche Bodenrichtwertauskunft anfordern; hierfür fallen je nach Bundesland und Aufwand Gebühren an, deren Höhe die jeweilige Gebührenordnung regelt.

  • BORIS-D: bundesweiter Einstieg, kostenlose Karteneinsicht
  • Landesportale: detailliertere Daten, teils historische Werte
  • Gutachterausschuss: amtliche schriftliche Auskunft, Grundstücksmarktberichte

Beachten Sie den Stichtag: In dynamischen Märkten kann der reale Bodenwert schon wenige Monate später spürbar über oder unter dem letzten Richtwert liegen.

Bodenrichtwert vs. Verkehrswert: Warum die Zahl allein nicht reicht

Der häufigste Fehler von Verkäufern: Sie multiplizieren Bodenrichtwert mal Grundstücksfläche, addieren einen geschätzten Gebäudewert – und halten das Ergebnis für den Verkaufspreis. Der Verkehrswert (Marktwert) nach § 194 BauGB entsteht jedoch erst durch eine vollständige Wertermittlung, in der der Bodenwert nur ein Baustein ist. Wie Vergleichswert-, Sachwert- und Ertragswertverfahren zusammenspielen, erklärt unser Ratgeber zur Wertermittlung beim Hausverkauf.

Gründe, warum Ihr Grundstück vom Richtwert abweichen kann:

  • Zuschnitt und Größe: Ein schmales Hanggrundstück ist weniger wert als das Referenzgrundstück der Zone
  • Bebaubarkeit: Baulücke mit Baurecht vs. Gartenland ohne Bebauungsmöglichkeit
  • Belastungen: Baulasten, Wegerechte oder Leitungsrechte mindern den Wert – Details im Ratgeber zu Baulasten & Grunddienstbarkeiten
  • Mikrolage: Ecklage, Lärm, Aussicht – innerhalb einer Zone gibt es erhebliche Unterschiede
  • Altlasten oder Abrisskosten bei sanierungsbedürftiger Bebauung

Für Käufer ist der Bodenrichtwert übrigens ein beliebtes Verhandlungsargument. Wer als Verkäufer die Systematik kennt, kann sachlich kontern: Der Richtwert ist ein Durchschnitt der Zone, nicht der Wert Ihres konkreten Grundstücks.

Bodenrichtwert strategisch nutzen: Preisfindung mit Profi-Unterstützung

Als Verkäufer nutzen Sie den Bodenrichtwert am besten als Plausibilitätsanker: Liegt Ihre Preisvorstellung deutlich über dem, was Bodenwert plus realistischer Gebäudewert hergeben, sollten Sie die Kalkulation hinterfragen – oder gute Argumente parat haben. Umgekehrt schützt der Richtwert davor, in Verhandlungen unter Wert zu verkaufen, etwa wenn ein Käufer mit veralteten Zahlen argumentiert.

Besonders relevant ist der Bodenwert bei Abrissobjekten und stark sanierungsbedürftigen Häusern: Hier zahlt der Käufer faktisch nur für das Grundstück, das Gebäude kann den Wert sogar mindern (Abrisskosten). Auch bei der Grundsteuer und bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer spielt der Bodenrichtwert eine zentrale Rolle – die Finanzverwaltung greift bei der Bewertung auf ihn zurück, was bei geerbten Immobilien vor dem Verkauf relevant werden kann.

Ein erfahrener Makler kombiniert den Bodenrichtwert mit aktuellen Vergleichspreisen aus seiner Marktkenntnis und der Kaufpreissammlung – und leitet daraus eine belastbare Preisstrategie ab. Über den ProfiScore finden Sie datenbasiert bewertete Makler in Ihrer Region, etwa Makler in München oder Makler in Hamburg – neutral gerankt, ohne gekaufte Plätze.

Häufige Fragen

Ist der Bodenrichtwert der Preis, den ich für mein Grundstück verlangen kann?

<p>Nein. Der Bodenrichtwert ist ein <strong>Durchschnittswert</strong> für eine ganze Zone, bezogen auf ein fiktives Referenzgrundstück. Ihr tatsächlicher Grundstückswert kann durch Zuschnitt, Bebaubarkeit, Belastungen oder Mikrolage deutlich davon abweichen – der erzielbare Preis ergibt sich erst aus einer vollständigen Wertermittlung und der aktuellen Marktlage.</p>

Wo finde ich den Bodenrichtwert für meine Adresse – und was kostet das?

<p>Die Karteneinsicht ist über das bundesweite Portal <strong>BORIS-D</strong> und die BORIS-Portale der Bundesländer in der Regel kostenlos. Eine amtliche schriftliche Auskunft des Gutachterausschusses – etwa für Steuer- oder Gerichtszwecke – ist gebührenpflichtig; die Höhe richtet sich nach der Gebührenordnung des jeweiligen Bundeslandes.</p>

Wie aktuell sind Bodenrichtwerte?

<p>Gutachterausschüsse müssen die Werte nach § 196 BauGB mindestens alle zwei Jahre ermitteln, viele Regionen aktualisieren jährlich zum Stichtag 1. Januar. In schnell steigenden oder fallenden Märkten kann der reale Bodenwert daher vom letzten Richtwert abweichen – prüfen Sie immer den Stichtag und ergänzen Sie die Zahl um aktuelle Vergleichsdaten, idealerweise mit einem über den <a href="/profiscore">ProfiScore</a> geprüften Makler.</p>

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